Geschichte unserer Bruderschaft

Die St.Sebastianus Schützengesellschaft Eilendorf Jahre 1903
mit ihrem damaligen Schützenkönig Cornelius Kuckelkorn
Jedoch wollen wir ein wenig von unserern Wurzeln erzählen. Nicht umsonst lautete unserer Wahlspruch lange, "Aus alter Wurzel neue Kraft".
Unsere Schützenbruderschaft feiert 2010 ihr 700jähriges Bestehen. Einige werden wohl die Nase rümpfen, 700 Jahre, stimmt das. Leider können wir heute nicht nachweisen, dass unsere Schützenbruderschaft schon 1310 bestanden hat. Wohl wissen wir, dass im Jahr 1650 die Erneuerung, der damaligen "Schützengesellschaft" (wir sind erst seit dem 21. Mai 1950 eine Schützen-Bruderschaft), gefeiert wurde. Unsere Vorväter feierten schon 1911 das Jubiläum dieser Erneuerung (Quelle: Goldenes Buch der Bruderschaft, Festschrift von 1911).
Das älteste Zeugnis des Bestehens unserer Bruderschaft, ist die Königsplakette von "Joannes Gerhartz" aus dem Jahre 1687 (rechts).
In die Zeit des 14.Jahrhunderts fällt nicht nur die mutmaßliche Gründung der St.Sebastianus Schützengesellschaft zu Eilendorf, sondern überhaupt die Entstehung von vielen Schützengesellschaften und Gilden. Es ist jedoch schwer, wegen Mangels an Urkunden-Material, etwas Bestimmtes herauszufinden; doch sollen schon 1310, Eilendorfer Schützen (Bürger) am Haarhof, mit dem Grafen von Jülich gegen die Stadt Aachen gekämpft haben.
Als gebräuchlichste Waffe galt damals der Bogen (baegh) und später die Armbrust (armbste oder armborst genannt). Diese Waffen, von geübter Hand geführt, waren sehr gefährlich und konnten dem Feind empfindlichen Schaden zufügen. Hierzu war jedoch eine stetige Übung notwendig. Diese Schießübungen fanden früher in Eilendorf, nach Beendigung des Hochamtes, statt. Dies geschah damals in der Zeit, vom ersten Sonntag nach Ostern, bis zum Sonntag vor St. Remigius, Anfang Oktober. Diese Zeit war übrigens allgemein bei den Schützengilden festgelegt. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden in den meisten deutschen Städten, rasch zu großer Blüte gelangende, Schützen-Gesellschaften.
Diesen Gesellschaften traten hoch stehende Persönlichkeiten als Mitglieder bei. Nach und nach nahmen diese alljährlich abgehaltenen Feste der Schützengilden die Bedeutung und den Charakter der ritterlichen Turniere an. Diese Schießübungen oder auch Schützenfeste gestalteten sich zu großen Volksfesten. Schon 1432 wird aus Andernach berichtet: "...do man den Papegey schauss, do wart geschenkt den gesellen in den graven drei quart, vurt die quart sieben heller, macht 1 m. b. wein...".
So stellte der Aachener Rat den Schützen den Ludwigsberg (Lousberg) zur Aufstellung einer Stange zum Vogelschuß zur Verfügung, ein anderes Mal den Hirsch- und Karlsschützen einen Wallgraben, nach denen diese Gräben späterhin Hirsch- und Karlsgraben benannt worden sind. Auch stiftete der Rat ein so genanntes Schützenkleinod, bestehend aus einem silbernen Vogel
Die Gilde erwählte unter ihren Mitgliedern einen Hauptmann oder Schützenmeister, früher Vogt genannt, der das Schießen zu überwachen hatte, und in dessen Hause die Fahne geborgen wurde. Das Amt eines Schützenmeisters war nicht unbedeutend, da er der Gilde vorstand und die Versammlungen einberief und eröffnete. Ferner erkor man einen Kleinodienmeister, dem die Hut des Schützenkleinods oblag, der auch das Kassenwesen leitete und die Armbrüste in Verwahrsam hatte. Sodann einen Pritschenmeister, dem so genannten Lustigmacher der Gesellschaft, welcher beim Schießen die schlechtesten Schüsse (Pritschenschüsse) und Ungebührlichkeiten, mit einem Pritschenschlage, begleitet mit Worten des Humors zu ahnden hatte, wie er auch gleichfalls das Publikum in Ordnung halten musste. Dieses Amt wurde nur demjenigen aus der Gilde verliehen, der sich mit Humor und schlagenden Witz vor allen anderen hervortat. Der Pritschenmeister verdankte seinem Namen der von ihm geführten Pritsche, einem Kolben von Holz oder Messing. Desgleichen besaß die Gilde einen Fähnrich und einen Führer, welche noch beibehaltene Überreste des ehemaligen kriegerischen Standes waren. Auf einem der alten Steinkreuze, die in der Friedhofsmauer an Eilendorfer Kirche eingemauert waren, befindet sich folgende Inschrift:
"Ao 17 den Jst der Wollachbarer Franz Ambre Jm H. Entschlaffen. Zur Zeitt Fendrich Jn der Herrlichkeit Eillendorff. Ao 17 den Jst seine Hausfraw Maria Keusch im H. Entschlaffen."
Wie in diesem Abschnitt zur Genüge behandelt entstanden also aus den Bruderschaften, die rein kirchlichen Charakter waren, die Schützen-Gilden mit ihren, dem Militär angepassten Gebräuchen. In der Hand des Schützen lag nicht allein jedwede Verteidigung des Landes und der Habe, sondern auch die Sicherheit von Leib und Leben des Bürgers. Es ist darum nicht zu verwundern, wenn hoch und niedrig lebhaften Anteil an deren festlichen Veranstaltungen nahm überhaupt dem Schützenwesen mit allen Mitteln fördernd zu Seite stand
Schützen, Schützenfeste und Spiele
Vor der Einführung des Schießpulvers, auch Donnerkraut genannt, galt als gebräuchlichste Waffe der alte Handbogen mit dem Pfeil. An dessen Stelle, seit dem 14.Jahrhundert die Verbesserung das Bogens, als große Armbrust trat.
Durch diese Verbesserung wurde das Zielen bedeutend erleichtert. Der Bogen der Armbrust wurde durch eine Seilwinde gespannt. Erst nachdem der Armbrust eine Handlichere Form gegeben wurde, bestand der Bogen aus elastischem Holz. Zur Erhöhung der Federkraft wurde der Bogen mit einer Hornschicht belegt. Am oberen Ende der Armbrust war ein eiserner Steigbügel angebracht. Beim Spannen des Bogen konnte so ein Fuß hinein gestemmt werden. Die nach und nach kleiner gewordene Form der Armbrust hielt sich noch bis zum 30jährigen Krieg.
Wie man sich nun nach der Erfindung des Schießpulvers die verschiedensten „Feuerrohre“ erfand, hielten diese dann auch Einzug bei den Schützen-Gesellschaften. Mit diesem Zeitpunkt beginnt eigentlich das Sinken der Militärischen Bedeutung der Schützengilden, dies hinderte jedoch nicht daran den gemeinschaftlichen Geist zu erhalten. Die Gilden traten in ein neues Stadium ein, jedoch mit jetzt veränderten Zielen und Zwecken. Die Schießspiele, die selbstverständlich immer beibehalten wurden, trugen immer mehr den sportlichen Charakter. Um dieses Schießen mit dem zu erhalten, verlegte man sich immer mehr auf das Vogel- und Scheibenschießen. In den ersten Jahren fanden sogar Preisschießen mit großen Geschützen statt. Späterhin führte man Geschütze kleiner Formen ein, bei deren Handhabung der linke Arm des Schützen gestützt werden musste, während der rechte die brennende Lunte hielt. Die wieder hiernach benutzten Hakenbüchsen, deshalb Hakenbüchsen genannt weil sie auf eine senkrecht stehende Gabel gestützt wurden, ermöglichten erst ein besseres Zielen und damit die Verwendung bei den Schützenfesten. Schon ausgangs des 15.Jahrhunderts waren Pürschrohre, Feuerbüchsen und Doppelhaken, bei größeren Festen vertreten.
Wenige Schützengilden haben die Armbrust beibehalten.
Die Rüstung der Schützen bestand in dieser Zeit ihres Bestehens aus Eisenkappe mit Schulterkragen, Streitkolben oder Picke, Ledervollschutz und Schild; sie war also eine komplette Kriegstracht. Im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert trug man nur noch einen farbigen Mantel und eine haubenartige Kopfbedeckung mit über dem Rücken herunter hängendem Zipfel, dem Kogel, welcher besonders für kirchliche Feiern vorgeschrieben war. Hernach, d.h. Ende des achtzehnten Jahrhunderts, bestand die von den Eilendorfer Schützen bei ihren Aufzügen getragene Kleidung aus schwarzem Anzug, roter Schärpe mit weißen Fransen und Zivilhut. Von 1858 bis 1861 trug man zum schwarzen Anzug eine breite weiße Armbinde am rechten Arm sowie eine weiße Weste und einen Zylinder.
Seit 1861 tragen die Eilendorfer Schützen eine kleidsame Uniform, bestehend aus grünem Waffenrock, Schützenhut in dunkelgrüner Farbe mit Kokarde und Feder, sowie schwarze Hosen.
Die Schützengilden besaßen von jeher eine Fahne, meistens aber deren zwei, wovon die eine mit dem Bild des Schutzpatrons geschmückt, in Eilendorf der hl. Sebastian, die andere mit irgend einem anderen Bild versehen war. Die Fahne die im Jahre 1873 angeschafft wurde, trugt auf der Vorderseite auf rotem schwerem damastseidenem Untergrund in der Mitte das ovale Bild des mit dem Schwerte umgürteten hl.Sebastianus. Während seine Rechte, drei Pfeile als Symbol seines Martyriums hält, seine Linke einen Dolch. Das Bildnis war mit einer Umschrift versehen, welche lautet:
Sagittae tuae infixae sunt mihi et confirmasti super me manum tuam. (Ps.XXXVIII):
Zu deutsch:
"Denn Deine Pfeile drangen in mich ein und du legtest schwer auf mich deine Hand" (Psalm Davids zum Andenken an den Sabbat)
Die Rückseite wies auf schwerem, gründamastseidenem Untergrund vier untereinander stehende Inschriften mit folgendem Wortlaut auf:
St. Sebastianus-Schützen-Verein in Eilendorf 1873
Die heutige Fahne Bruderschaft wurde nach dem Vorbild der alten Fahne angefertigt.
Mit den Schützenfesten zusammen, fiel häufig eine Musterung der waffenfähigen Bürger, da zu dieser Stunde meist viele Schützen oder wehrhafte Männer zusammen kamen, was wohl auch die Gewohnheit gemeinsamer Festschießen benachbarter Orte erklärt. Zu diesen großen Schützenfesten ergingen von der gastgebenden Gilde Einladungen an benachbarte Schützengesellschaften und befreundete Städte. Auch die Eilendorfer Schützen sind solchen Einladungen von jeher gefolgt.
1632 gab die Stadt Aachen den Aachener Schützen 12 Reichstaler zur Abhaltung eines, alle 7 Jahre, zur Zeit der Heiligtumsfahrt wiederkehrenden Freispiels. Um dieselbe Zeit lud die Stadt Düren die Schützengilden von Frankfurt, Cöln, Aachen, Jülich, Münstereifel, Zülpich und Euskirchen zu einem solchen Schützenfeste mit Wettschießen ein.
Diese Schützenfeste gestalteten sich zu den größten Volksfesten, denn auch sie waren Waffenspiele, doch weniger gefahrvoll und aufregend, dadurch dem Volksempfinden um so behaglicher. Als Ansporn für die Gilden ging es dahin, sich nach allen Richtungen hin auszuzeichnen und so viele Schützen als möglich mit Preisen zu bedenken. Zu diesen gehörten nicht allein Geldpreise, sondern auch Gold- und Silbergeschirr, zuweilen mit Geldstücken gefüllt, sowie Becher und Schalen aller Formen und Größen. Auch heute noch ist das Schießen um Geldpreise und Sachpreise in unseren Breiten üblich
Es ist nach Vorbesagtem denn auch erklärlich, daß der Landesherr den Veranstaltungen das Größte Interesse entgegenbrachte, diese Feste manchmal mit seinem persönlichen Besuch beehrte und Preise für die besten Schützen stiftete. Man begegnet in manchen alten Mitgliederverzeichnissen anderer Gilden, Vetretern der höchsten kirchlichen und weltlichen Kreise. In Eilendorf stiftete im Jahre 1713 ein Mitglied der Abtei Cornelimünster, Matthias Freiherr von Merwyck, als Schützenbruder und wahrscheinlich als König ein Schild, desgleichen tat der Eilendorfer Pfarrer Joannes Peters 1728 als Mitglied und Schützenkönig. Auch die Städte wetteiferten bei größeren Freischießen miteinander, gewährten besondere Vergünstigungen vielfältigster Art. Ein gewisser Geldpreis, für die Hirsch- und die Karlsschützen, wurde für den Obsieger, d.h. für denjenigen Schützen festgesetzt, der den Haupt- oder Königsvogel abschoss. Dieser Schütze galt dann für ein Jahr als Schützenkönig und war für die Dauer seiner Königswürde von allen gemeinen Diensten und Lasten, auch dem Wachdienst, befreit.
Die Einladungen zu den kleinen Schießübungen machte man von der Kirchenkanzel und durch Ausrufen in den Straßen öffentlich bekannt; späterhin auch durch den Anschlag an die Kirchentür. Die Einladungen für die Größeren Festspiele an die benachbarten oder entfernt wohnenden Gilden gab man durch Boten mittels Flugblättern bekannt. Es bürgerten sich allmählich einheitliche Schieß-Ordnungen ein, so bestimmte man nicht allein die Schwere der Kugel und die Bolzengröße, sondern auch die Zahl der abzugebenden Schüsse und die Entfernung des Zieles, das bei der Armbrust etwa 300 und später für die Feuerbüchsen 600 bis 750 Fuß betrug.
Das Armbrustschießen selbst fand statt sitzend auf freiem Stuhle ohne Lehne und Anlehnung, ohne Gabelstütze und ohne Einsetzen in die Achsel. Die Armbrust durfte den Körper nicht berühren. Die Büchsenschützen dagegen mussten schießen, „uffrecht mit frijem schwebendem arme und affgesneden wammesermell aen schnore und remen und ouch aen scherm ader rauchpanne und also dat dye bosse dye ayssel nyet enroert“.
(.. aufrecht mit frei schwebendem Arm und abgeschnittenen Wamsärmeln an Schnüre und Riemen und auch am Schirm und der Rauchpfanne sodass die Büchse den Arm nicht berührt"...
Nach vorheriger Verlosung, also in bestimmter Reihenfolge wurde in früheren Zeiten nach dem Vogel geschossen und zwar auf Kopf, Flügel, Schwanz und Rumpf. Damals erhielt derjenige Schütze , der Kopf oder Schwanz herunter schoß 6 Albus (Weisspfennig) wer im Jahre 1911 den Kopf herunter schoss bekam seinen Einsatz von 3 Mark zurück und war für das Jahr der Kopfkönig. Den Zug zur Schützenwiese führte ein Schützenbruder an, der den mit Bändern und Laubkränzen geschmückten Königsvogel trug. Ihm folgten der letztjährige König, die Schützenbrüder und die Gäste. Vor dem Begin des Schießens galt es als Pflicht, ein "Vater Unser" und ein "Ave Maria" mit lauter Stimme zu beten.
Das Recht auf den ersten Schuß auf den Königsvogel gebührte von alters her dem Landesherren und in dessen Verhinderungsfalle dem Bürgermeister oder dem Schultheiß.
Hiernach schoß der König des letzten Jahres, derjenige der den Rest des Vogels herunter holte wurde jubelnd umringt und zum König ausgerufen. Mann bekleidete ihn nach altem Eilendorfer Brauch mit dem Schützenkleinod, der Königskette mit dem Vogel, die er fortan ein Jahr lang bei allen feierlichen Gelegenheiten unbedeckt zu tragen hatte. Am 10. Juni 1854 beschloss eine Versammlung der Eilendorfer Schützengilde, den Vogel nur bei der Prozession zu tragen, um so das Kleinod, das für ewige Zeiten bestimmt sei, nicht unnütz einem vorzeitigen Verschleiß oder gar Verluste preiszugeben. In Anbetracht der vielen verloren gegangenen Königsschilder war diese Maßregel vonnöten.
Als Zeichen seiner königlichen Gewalt trug der Eilendorfer Schützenkönig bis gegen 1830/40 einen 1,25m hohen, gelbbraunen Stock mit einem runden silbernen Knopf und zwei silbernen Quasten.
Auf der jeweiligen Schützenwiese zu Eilendorf, die im Laufe der Zeit oftmals wechselte, versammelten sich die Schützen am Pfingstmontag zur Königsproklamation unter der Fahne. Dort wurde dem neuen König gehuldigt, nach seiner Antrittsrede wurde dem König, wie auch heute noch, die erste Hälfte des Königsgehaltes auf der Trommel ausgezahlt.
Bei der Übernahme der Königskette musste der König und ein von ihm benannter „solvabler“ Bürger eine Bürgschaft mit seiner Unterschrift bestätigen. Seit dem 5.Mai 1857 wurde diese alte Gewohnheit abgeschafft, die Königskette verblieb im Schützenhaus, dessen Besitzer hierfür eine Kaution von tausend Mark zu leisten hatte oder bei Verlust hierfür haftbar gemacht wurde. Von diese Tage an blieben der Schützenvogel und die Königsschileder mit Ausnahme der Kirmestage im Schützenhause deponiert. Der Schützenkönig musste für die Zeit der Kirmestage, an welchen er das Königssilber mit nach hause nahm zwei gute Bürgen stellen, die diese Bürgschaft durch ihre Unterschrift dokumentierten.
Fiel die Würde eines Schützenkönig jedoch auf einen außerhalb Eilendorf wohnenden Mitschützen, erhielt dieser die Königskette nicht ausgehändigt, da der als Heiligtum der Gesellschaft betrachtete Königsvogel sich nicht außerhalb der Grenze Eilendorfs befinden durfte. Die Kette blieb dann zur Aufbewahrung bei einem der beiden Bürgen.
Wie dieser Tag für den König ein Tag der Ehrung und der Freude inmitten seiner Schützenbrüder war, so beteiligten sich auch dessen außerhalb der Gilde stehenden Freunde und Verwandte an diese Feier und zwar in der weise, daß sie vor dem Haus des Königs beim Vorbeimarsch Freudenfeuer aus Reisigbündel entfachten. Diese Feuer wurden zum letzten Mal 1850 bei Joh. Matth. Lexius an der Linde und 1858 bei Joh. Jos. Dujardin im Bruch abgebrannt.
Im Laufe des Königsjahres war der König besonders begünstigt und zwar war er meistens von der Akzise (Steuer) befreit, musste dafür aber seine Schützenbrüder eine Königsmahlzeit bieten. In Eschweiler z.B., war der König frei von Hand- und Spanndiensten, sowie auch von Kriegslasten; ferner erhielt er vom Vogte aus der landesherrlichen Kasse, 9 Reichstaler 16 Albus und durfte ein Schwein auf den Eschweiler Busch zur Mast treiben.
Die Schützenmeister in Geilenkirchen stifteten für den König nach dessen Proklamation ½ rheinischen Gulden und der Königin, wozu meistens die Ehefrau erkoren wurde, ein Paar Mauen, das sind sehr weite, der damaligen Mode entsprechende, fast bis zum Boden reichende Ärmel. Diese waren aus dem gleichen Tuch wie die Kopfbedeckung der Schützen.
Am dritten Sonntag im Juli, dem Tage der Überbringung der Reliquien des hl. Sebastianus nach Eilendorf, veranstaltete die Eilendorfer Schützengesellschaft alljährlich ein Ehrenpreisschießen. Am folgenden Montag fand dann die Auszahlung des zweiten Teils des noch ausstehenden Königsgehaltes statt.
Die Lasten des Königs waren nicht gering, später überwogen sie die Vorteile, so dass es dann oft schwer wurde einen König zu erhalten.
Die Stiftung eines mit Namen und dem Datum des Königsschusses versehenen Königsschildes ist in unserer Bruderschaft erst seit dem 16. Jahrhundert bekannt,1687 Joannes Gerhartz. Auch in Eilendorf bestand lt. Statut die Regel, dass der König ein Königsschild von mindestens zwei Lot guten Silbers oder Gold anfertigen lassen musste. Bei einem Ehrenvogelschießen musste er 15 Mark beisteuern, die Restkosten wurden aus der Vereinskasse bestritten. Am Sebastianusmontag, nach dem 3. Sonntag im Juli, ein Hochamt lesen zu lassen. Schließlich hatte er die Gilde beim Abholen „anständig“ zu empfangen und die feierlichen Züge zu eröffnen. Der „anständige“ Empfang war die kostspieligste Gegenleistung des Königs. Die Kosten des am Hause des Königs verabreichten Ehrentrunks, der nur aus Wein bestehen durfte, steigerte sich infolge der wachsenden Mitgliederzahl derart, daß die Schützengesellschaft es vorzog, mit diesem Brauch zu brechen, die Zuwiderhandlung wurde mit Strafe belegt.
Leider sind von den vorher erwähnten Königsschildern nur noch einige vorhanden. In Zeiten der Not, wie auch für kirchliche Zwecke wurden etliche Königsschilder veräußert. Wenn auch einige der Stifter der der veräußerten Schilder auf dem so genannten Halbmond der Eilendorfer Königskette eingraviert waren, fehlen doch eine große Anzahl von wertvollen Schilder. Jedoch der Hauptteil unserer Königskette ging im 2. Weltkrieg verloren. Die ehemalig auf den Beichtstuhl des früheren Dechanten Pauli gestandene Sebastianus-Statue war z.B. mit einem an einer Kette befindlichen silbernen Herzen geschmückt, diese Herz war aus Königsschilder der Bruderschaft gefertigt worden.
Gleichfalls wurden Schilder geopfert zur Beschaffung eines silbernen Verschlusses an einem Missale (Messbuch) für die Eilendorfer Kirche, sowie eines silbernen Herzens für die Muttergottes-Statue am Marienaltar der alten Kirche.
Mit wenigen Ausnahmen besitzen fast alle Schützenbruderschaften einen Königsvogel, früher auch Papagei genannt. Der Eilendorfer Vogel, der jedoch eine in zierlichen Formen gehaltene Taube darstellt, aus dem Jahre 1650. Derselbe trug unter den Schwanzfedern an deren Spitze links den geprägten Aachener Stadtadler, darüber die Buchstaben ACH als Beschauzeichen, rechts davon befanden sich die Initialen des leider unbekannten Goldschmiedes H.C. Der Ast auf dem der Vogel steht, stellt eine Mundflöte dar, welche in früherer Zeit vom König bei den Schießspielen benutzt wurde.
Den Kaisertitel, d.h. die dreimal nach einander erlangte Königswürde, errang nur ein Eilendorfer Schützenbruder, nämlich Jaques Steinrath, Carpentier (Zimmermann) aus Eilendorf, der 1807, 1808 und 1809, also in der französischen Zeit, König war. Wie der Schützenkönig, so hatte der Schützenmeister Vergünstigungen. Der Rat der Stadt Aachen bestimmte sogar, dass demjenigen Schützen, der den Haupt- oder Königsvogel drei Jahre nach einander erobern würde, dass von ihm gestiftete Kleinod verfallen sollte, er behielt sich jedoch vor, dasselbe gegen ein „redliches Ehrengeschenk“ im Namen der Gesellschaft wieder einzulösen. Derselbe Rat ließ im Jahre 1760 Johann Franken, der 1758, 1759 und 1760 den Königsvogel in Aachen abschoss, ein Ehrengeschenk von 35 Reichstalern auszahlen.
Nachdem man nun schließlich auch hier den Wert der Königsschilder schätzen lernte, blieben dieselben bei der Gilde und der König oder Kaiser erhielt nur den von der Gesellschaft in einer Generalversammlung festgesetzten Königspreises in klingender Münze.
Wie die Schützenfeste mit der Zeit an festlichen Charakter und Dauer zunahmen, wurden für die Besucher Spiele verschiedenster Art arrangiert. Wie z.B. Wettlaufen, Steinstoßen, Ringen, Springen, Ringelstechen und Hahnenschlagen. Hierzu gesellten sich Gaukler zur Erheiterung der Kinder. Ebenso wurden Verlosungen durchgeführt, z.B. 1501 in Köln, hier kostete ein Los einen Raderalbus (1 Albus = 12 Heller) oder drei Schillinge. Für diesen geringen Einsatz erzielte man oft achtbare Preise, wie Silbernes Geschirr, Bargeld oder noch höhere Gewinne wie, Pferde und andere Tiere.
Wie oft bei solchen Anlässen; blieben die Ausschreitungen nicht aus. Wie die Fürsten und Städte den Festlichkeiten gegenüber sehr offen waren, gab es auch Einschränkungen. Denn Trinkgelage schienen die Schützen zu der Zeit mehr zu beschäftigen, als die Waffenübungen selbst. Oft reihten nur aus geringem Anlaß Feste an Feste. Diese Ausartungen belasteten den Geldbeutel der Bürger sehr, was sich auch wiederum auf das Geschäftsleben auswirkte. Die notwendig gefolgerte Gefahr für das Gemeinwohl des Volkes nicht verkennend, hatte die Regierung bereits Schritte eingeleitet, diese Vergnügungssucht zusteuern. Empfindliche Abgaben für Festlichkeiten waren die Folge.
Herzog Johann von Jülich schloß ebenfalls mit dem Erzbischofe von Köln am 16. September 1533 einen Vertrag, worin sic mit Rücksicht auf die Ausschreitungen der Schützen vereinbarten in ihren Landen keine neuen Schützengesellschaften mehr zu gestatten und die bereits bestehenden nur mit Wissen der Obrigkeit zu dulden. So ordnet ein Aachener Beamten-Protokoll vom 26. Mai 1662 an: „ Alle Dänz und das Bauschenspiel der Jungen und Papageischießen sollte durch den Wechter in den Grafschaften ernstlich verbotten werden.“.
Was sich von den alten Gilden noch über den dreißigjährigen Krieg hinaus gerettet hatte, vernichtete die französiche Revolution fast vollends, und nur wenige entgingen mit knapper Not dem Untergang. Die Eilendorfer Schützengilde widerstand diesen Stürmen. Wenn sie auch von 1789 bis 1802 ihre Tätigkeit in Abhalten von Schießübungen aingestellt hat, so konnte das nicht hindern, das alte, Jahrhunderte lange Selbstbewustsein unter der Asche erglimmen lassen. Selbst dann, als bei der französichen Invasion, die das Schützeneigentum als Nationalgut erklärte, die Schützen beispielloser Strenge beraubt wurden. Schließlich ist es für die Nachwelt vielleicht interessant auf ein Spiel hinzuweisen, daß in früheren jahren Scharen von Neugierigen nach Eilendorf zog. Ehe die Zeit der Vereinsgründungen, seien es nun Vereine der Geselligkeit, Sport etc. heranrückte, gab es in den meisten Orten nur einen Verein, nämlich den Schützenverein. Dieser Verein stand nun im Vordergrund des Interesses, was besonders bei den Kirchweihfesten so recht deutlich zutage kam. Die Schützengesellschaft mußte die Kirmes machen, ohne diese war eine Kirmes undenkbar. Es ist darum klar, daß man den Veranstaltungen das weitgehendste Interesse entgegenbrachte. Die Landbevölkerung kannte nur die Kirmes als Festtage. In machen Orten gab es dmzufolge eine Sommer- Herbst- und Winterkirmes, darunter dann das Kirchweihfest. Weiter Feste wie sie heute stattfinden waren nicht bekannt.
Bei den zuvor genannten Spielen handelt es sich um das sogenannte Kriegsspiel der Schützen Die ses Kriegsspiel war in der Umgebung als besonders interessant bekannt. Dem militärischen Ursprung der Gilde entsprechend, versammelten sich die Schützen mit den so genannten Freischaren am Schützenhause um von hier aus zum Kriegsspiel aufzubrechen. Die Freischaren, die nicht Mitglied der Gesellschaft sein durften, gingen dann die Heckstraße hinauf, während die Schützen auf Nirm zu marschierten, das ganze Feld von der Kirche aus bis zum Herrenberg besetzend. Eine eigenartige Weihe erhielt das Spiel durch die Gegenwart des Bürgermeisters. Doch bevor das Schießen begann, wurden die Waffen sowohl der Freischaren als auch der Schützen geprüft und die als nicht geeignet befundenen Gewehre ausgeschlossen. Die Munition, bestehend aus Platzpatronen, wurde durch die Schützen gestellt. Ein Ambulanzwagen und ein eigen dazu gewählter Feldscher wurden mitgeführt. Gleichfalls stellte man Posten aus, wie man überhaupt dem ganzen den Charakter einer regelrechten Felddienst-Übung gab.
Die Schützen schwärmten vor Nirm aus und gingen auf die Festung Maarau vor. Den Fähnrich in der Mitte, schlichen sich die Schützen mit Unterstützung der Freischaren an die Festung an. Die Spiele waren der Wirklichkeit manchmal sehr ähnlich, denn wie bei einer ernstlicher Belagerung, so waren an den markierten Festungstoren Strohbündel mit Unmengen Pulver aufgehäuft, wie man auch mit Grassoden, Stroh und Reisig getarnte Minen legte.
Das es manchmal sehr hart zuging belegt ein Ereignis wo die Teilnehmer zum Gott sei Dank einem größeren Unglück entgehen konnten. Als Freischärler einige Schützen mit deren Fahne gefangen nahmen, kam es zum erbitterten Kampf. Die hartbedrängten Schützen stürzten mit ihrer Fahne einen Abhang hinunter. Die Fahne war aber gerettet, wenn auch so mancher Schütze einige Schrammen davon getragen hatte. Nachdem nun die Verwundeten versorgt waren, erhielt die ganze Truppe von dem damaligen Bürgermeister Lohhausen ein ordentlich Standpredigt.
Durch diese Kriegsspiel und die Art der Versorgung der wurden nicht nur Zivilpersonen sondern auch Offiziere und sonstige Militärpersonen angezogen. Doch wie so manches, so arteten diese Spiele aus und es kam soweit, daß diese polizeilich verboten wurden.
Ein weiteres Kirmesspiel wurde in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts am Kirmesmontag durchgeführt. An diesem tag versteckte sich der König mit seinen Königsbegleitern an einem von ihm gewählten Platz im Dorf. Den Schützen war das Terrain bekannt wo der König sich ungefähr aufhielt. Die Schützen schwärmten dann zur Suche aus. Wurde der König gefunden beschossen Sie ihn mit Platzpatronen. Scheinbar verwundet wurde der König hinkend zum Schützenhaus geführt. Hier wurde dann der große Sieg gefeiert.
Das Schützenhaus war mit kleinen Unterbrechungen seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts bis 1991 immer das gleiche geblieben. Unter dem Namen „in der Schmiede ist es jedem Eilendorfer bekannt, Damalige und auch heutige Besitzer ist die Familie Geulen. Die Versammlungen fanden in einem Vereinszimmer statt.
Der Vorstand wird aus wie seit den damaligen Zeiten aus dem Mitgliederbstand gewählt. Was die Anzahl, Beziechnung und Tätigkeit betrifft, ist in seiner Amtsführung verschieden gewesen.
So nannte man in den frühesten Urkunden die Vorsitzenden „Meister und Provisoren“. Gleichfalls kamen jährlich zu wählende Bahnenmeister vor, Schützenknechte wurden für die nieder Tätigkeit auf der Schießbahn bestimmt. Als eigentliche Beamte, Officianten genant, treten seit dem 17.Jahrhunderts, der Hauptmann, der Leutnant und der Fähnrich auf, welche mit kleinen Ausnahmen ihr Amt unentgeltlich bekleideten.
Ohne Zweifel ist der frühere Hauptmann als Erster oder Oberster der Schützen anzusehen gewesen, jedoch nur bei weltlichen Festlichkeiten. Seine Wahl erfolgte durch Stimmenmehrheit und er bekleidete, meistens sein Amt, wenn er nicht freiwillig darauf verzichtet, meistens bis zu seinem Tod. Ihm war die Oberleitung der Schützenfeste anvertraut, wobei er von den Bahnmeistern im Instandhalten der Bahn unterstützt wurde. Ein anderes Mal finden wir die Bahnenmeister als Vorsitzende der Gesellschaft, sowie als Vollzieher von Urkunden bei der Verpachtung und Verkauf von Gärten. Der Leutnant war, seiner militärischen Bezeichnung entsprechend, beim Schützenfest selbst tätig und hatte den Hauptmann bei den Aufzügen etc. zu unterstützen. Um 1911 wählten die Eilendorfer Schützen einen Premier- und zwei Seconde-Leutnants.
Das Amt des Fähnrichs war eine der gesuchtesten Ehrenstellen, die Wahl erfolgte meistens auf Lebenszeit. Für diese Ehre, d.h. die Fahne der Schützengesellschaft bei kirchlichen und weltlichen Aufzügen zu tragen, zahlte der Fähnrich eine gewisse Abgabe. Dieses Amt wurde dem zu nach, vor der eigentlichen Wahl, von den Bewerbern ersteigert. Zum damaligen Amt des Fähnrichs gehörte eine gewisse Geschicklichkeit. Das in den früheren Jahren in Eilendorf durchgeführte schwenken der Fahne durch die Arme, Beine und über den Kopf erforderte Übung.
Nicht selten verunglückte ein solches Experiment gerade dann, wenn es den Zuschauern bei festlichen Aufzügen vorgeführt werden sollte.
Die zu schwenkenden Fahne war aus weichem Stoff, mit Bleikügelchen versehen, befestigt an einem kurzen Stock. Die Eilendorfer St.Sebastianus Schützengesellschaft besaß zwei solcher Fahnen, Schwenkfahnen genannt. Eine dieser Fahnen war mit einem schwarz – weißen Adler versehen. Das Fahnenschwenken wurden in früheren Jahren am Kirmesmontag und am 2. Pfingsttag in Begleitung von Musik, meistens bei der Melodie „Freut Euch des Lebens“ durchgeführt. Außer der Schützenfahne besaß die Gesellschaft auch noch eine eigene Fahne des hl. Severinus in der Kirche zu Eilendorf, diese wurde in der Fronleichnamsprozession getragen. Den Bahnmeistern waren Assistenten zur Hilfe zugeteilt, wie den Bahnknecht. Dem Assistenten halfen wiederum Bruderdiener.
In den früheren Jahren war es ebenfalls üblich ein eigene Musiker in der Gesellschaft zu haben. Der Tambour und der Pfeifer, die nicht zum Vorstand angehörten, waren unentbehrliche Persönlichkeiten. Sie spielten nicht nur bei Schützenfeste sonder begleiteten auch die Fronleichnamsprozession.
Um noch einmal auf die Frage zurück zu kommen, wann unser geschichtlicher Ursprung war. Unser Wissen bezieht sich auf die Festschrift von 1911, die hier im wesentlichen Teil wiedergegeben ist.
Ein geschichtlicher Anhaltspunkt für das Alter der Eilendorfer St. Sebastianus Schützenbruderschaft kann nur das Jahr 1650 in Betracht gezogen werden.
Was zu Zeit der Erstellung der Festschrift noch vorhanden war, verdankten die damaligen Schützen dem Eilendorfer Pfarrer Johann Peter Toussaint Janssen, der mit Unterstützung des Königlichen Provizial-Archivars, Geheimrat Dr. Lacomblet in Düsseldorf eine notdürftige Pfarrgeschichte verfasste. Dieser Pfarrer hat die kurze Zeit seiner Amtstätigkeit in Eilendorf, vom 5.Dezember 1861 bis zum 12. Februar 1866 dazu benutzt, das Eilendorfer Pfarrbuch wieder einzurichten, da alles andere außer einigen Tauf- und Heiratsregister aus der Mitte des 17. Und Endes 18. Jahrhunderts, durch die Wirrnisse der französischen Revolution verschwunden ist. Im Archiv der Bürgermeisterei waren noch Taufbücher von 1757-1798 vorhanden. Auf der ersten Seite des Buches „Eilendorff, Tauf, Heyraths-register vo 1667 ab bis 1753 steht: 1629 ist da Hauss zur Heyden gebawet worden, ergo muss ein anteries Tauf und Copulationsbuch abhandensein“.
Das Haus Heyden ist das frühere Rittergut von der Heyden bei Breinig, das ebenfalls zu Kornelimünster gehörte und damals im Besitze der Familie von Adenow war. Obige Pfarrgeschichte ist dann von dem gleichen Pfarrer in mustergültiger Weise und von seinen Amtsnachfolgern konsequent durchgeführt worden. Selbst dieses Pfarrbuch berichtet außer der Einführung des Pfarrer Joh. Pet. Toussaint Jansen am 5. Dezember 1862 in keiner Weise von den Eilendorfer Schützen.
Wen es auch als feststehend betrachte werden kann, daß die Eilendorfer Gilde schon lange Zeit vor ihrer Neubegründung bzw. Erneuerung 1650 bestanden hat, so kommt uns hierbei glücklicherweise doch ein Umstand als sicherer Beweis zu Hilfe, der geeignet erscheint, etwas Licht in das mysteriöse Dunkel zu bringen. Es ist dies das Vorhandensein eines stummen Zeugen jener Zeit, des silbernen Schützenvogels, der, aus dem Jahre 1650 stammend, das Werk eines leider unbekannten Aachener Goldschmiedes N.C. oder C.N. ist. (Festschrift 1911)
1650 ist also das Jahr, wo wir definitiv sage könne, hier bestand schon die Eilendorfer Schützenbruderschaft. In diese Zeit fällt so manche Neugründung von Schützengilden der hiesigen Umgebung, was auch die Eilendorfer Schützengilde bewogen hatte, eine Erneuerung ihrer Gilder durchzuführen.
Ob der Erneuerung eine Zeit des Niedergangs vorauf gegangen ist, kann nicht gesagt werden, doch ist man versucht , dies anzunehmen, weil die unruhige Zeit des dreißigjährigen Krieges worunter auch unsere Gegend viel zu leiden hatte, der Schützengilde mehr hindernd als fördernd war. Als im Jahre 1678 der französische Marschall Luxemburg Eilendorf brandschatzte, flohen die Eilendorfer in die nahen Wälder. Das Schießspiel der Schützen mußte nicht allein der auferlegten Krieglasten unterbleiben. Die Schützen wurden anderweitig eingesetzt. Erst 1687 finden sind die Eilendorfer Schützen wieder beim Vogelschuß.
Wann aber nun das Schießen vor 1687 aufgenommen worden ist, kann nicht mehr nachgewiesen werden. Doch die Abhaltungen von Schießübungen um so wahrscheinlicher sind, weil die Franzosen während der 1680er Jahre in die gebiete von Trier, Koblenz, Mainz und Heidelberg, also nicht in unsere Gegend, einfielen.
Wie in Aldenhoven von 1692 bis einschließlich 1696 nicht geschossen wurde, so wird es infolge oben geschilderter Vorkommnisse auch in Eilendorf gewesen sein, denn der Halbmond der Schützenkette meldet erst 1689 Wilhelmus Fincken und 1701 Joannes Kuck als Schützenkönig.
Wiederum sehen wir den Anfang des 18. Jahrhunderts im Zeichen der Kriegsunruhen, diesmal war es der spanische Erbfolgestreit der das Schießspiel bis 1706 ruhen ließ. Erst 1706 wird Matthias Kaussen und 1710 Matthias Olberx (Olbertz) Schützenkönig der Gilde. Die Lücken zwischen 1711, wo Hubert Keusch und 1715 Peter Weisgen (Wisgens) die Königswürde errang, sind wohl im Abhandenkommen der Königsschilder zu erklären. Es ist so gut wie ausgeschlossen, daß die Schützen in den Jahren 1712, 1714 und 1716 bis 1725 die Schießübungen nicht durchführten. Im Jahre 1713 stiftete ein Mitglied der Abtei Kornelimünster ein Schild zu Schützenkette. Es besagt zwar nicht , ob es ein Königsschild ist, wohl aber gibt es den Anschein, als ob der Vogelschuß in diesem Jahr nicht geruht hat. Erst 1726 zeigt uns das Königsschild des Joannes Krop (Kropp) wieder das ein Vogelschuß stattgefunden hat.
Ein besonderes Andenken gibt uns das Königsschild von 1756. König war in diesem Jahr war, der Ur-Ur-Großvater unseres 2. Brudermeisters Leo Lauter, Joannes Heinderich lauter. Die Besonderheit dieser Königsplakette ist die Eingravur, nämlich das im Jahre 1756 ebenfalls ein schrecklichen Erdbeben die Eilendorfer Bevölkerung und ihre Umgebung heimgesucht hat. So reihten mit einigen Lücken Königsplaketten an Königsplakette. Leider sind heute nur noch ganz wenige vorhanden. Die letzte erhielten wir im Jahre 1988 von den Bürgerschützen Kornelimünster zurück. Es war die Königsplakette von 1710, Matthias Olberx, König Anno 1710. Die Schützenbrüder hielten diese Plakette lange in ihrem Fundus und konnten sie nicht zuordnen. Erst bei der Organisation zu einem ihrer Jubelfeste, haben sie im Stadtarchiv zu Aachen, eben in dieser zuvor erwähnten Festschrift unserer Bruderschaft von 1910, eine Abbildung dieser Plakette gefunden.
Die französische Revolution brachte dann noch einmal einen Stillstand in die Bemühungen der Eilendorfer Schützen, das Schützenbrauchtum zu pflegen, einen Stillstand.
Erst 1802, nachdem schon zwei Jahre vorher Verhandlungen zu Aufnahme der Schießübungen im Geheimen verfolgt wurden, kamen einige alte Schützen zusammen um aus den Trümmern der alten Gilde, Wiederaufbau zu leisten.
Die gescha aber nicht in der Form einer Neugründung, denn es existieren wie bei Erneuerungen oder Neugründungen keine neue Statuten. Die Franzosen mochten nun eingesehen haben, daß sich der Deutsche, wenn auch gezwungen, dann doch ruhig der neu geschaffenen Ordnung anzupassen verstand. 1803 wurde dann wieder ein regelmäßiges Schießen auf den Königsvogel eingeführt. Mathieu Olbertz wurde als erster in der französischen Zeit König.
Eine lange Zeit der Ruhe war den unruhigen Zeiten gefolgt. Ende Juni 1830 kam jäh die Nachricht aus Paris, daß die Revolution ein Ende gefunden hat. Noch am 30 Juni 1830 brach in Aachen ein Aufstand aus. Während dieser Unruhen stand ein Teil der Eilendorfer Schützen, und Einwohner Eilendorfs bis zum folgenden morgen unter Waffen, fest entschlossen, nötigenfalls die öffentliche Ruhe und Gesetzesordnung wieder herzustellen. Ob die Schützen-Gesellschaft, nachdem wieder ruhigere Zeiten angebrochen waren, einen Antrag bei den Oberbehörden auf Wiederbestätigung ihrer Privilegien und Rückgabe der Renten stellte, läßt sich aus dem vorhandenen Protokollbuch, angefangen am 31. Mai 1841 nicht beweisen.
In einem Eintrag von 1844 wird auf die Einnahme von 15Sgr. an Zinsen verwiesen. Dieses vorgenannte älteste Protokoll gibt den Wert des dem König Johann Kloubert umgehängten Vogels, der Kette, des Halbmondes sowie der vorhandenen „31 Schilder und ein doppeltes“ mit 72 Thalern 19 sgr. an, und zählte 47 Schützen. Zum Vogelschuß zahlte die Schützengesellschaft 1841 am Armengeld fünf sgr.. Von dem Vorhandensein einer Fahne zeugt die Einnahmeseite des Kassenabschlusses des Jahres 1840/41. Am 10. Juni 1840 verlieh die Eilendorfer Schützengesellschaft zweimal ihre Fahne nach Forst gegen Vergütung von zusammen 1 Thaler. Die Ausgabenseite verwiest am 30. Juni 1841 einen Posten über 8 Sgr. für eine Fahnenreparatur und Waschen derselben.
Am 30.Mai 1842, als die Schützengesellschaft gerade vor ihrem Schützenhause angetreten war, passierte der Marquis de Sassenay, der Gründer der Stolberger Gesellschaft war, die damalige Cockerill- heutige Von Coels Straße. Da der Marquis in unserer Gegend eine ebenso bekannte wie geachtete persönlichkeit war, ließ der Hauptmann der Schützengilde die Mannschaft still stehen und kommandierte: „Augen rechts“. Nachdem nun dieser für die Aufmerksamkeit gedankt hatte, übergab er dem Führer die Summe von 10 Thalern 20 Sgr.. Aus dieser Stiftung wurde die Anfertigung des in diesem Buch abgebildeten Schildes bezahlt.
Der Zahn der Zeit war auch an die bisher geführte Fahne deutlich sichtbar gewesen. Am 15. März erstand die Gesellschaft von der Firma Geschw. Kremers in Aachen für 40 Thaler 24 Sgr. eine neue Fahne in himmelblauer Seide mit der Abbildung des Gotteslammes. In dem besagten preis in inbegriffen Stange, Spitz und Überzug der Fahne. Die bei 56 Mitgliedern veranstaltete Sammlung zu Gunsten der neuen Fahne ergab die schöne Summe von 44 Thaler 7Sgr. Neben der neuen Fahne bestand auch noch die alte Königsfahne, welche bei weltlichen Festaufzügen Verwendung fand.
Das Protokoll vom 7. Juni 1846 besagt, daß der jeweilige König verpflichtet sei, außer der Stiftung eines silbernen Schildes sie Schützenhüte des Vorstandes und Federn zu stellen. Gleichzeitig hatte der König die Verpflichtung die Tambours und Pfeifer zu beköstigen. Im Jahre 1846 verzeichnet der Eintrag im Protokollbuch 69 Mitglieder, dazu gehörte der Pfarrer Dechant Franz Pauli, sowie der Vikar Spelthahn.
Ebenfalls in diesem Jahre muß eine Meinungsverschiedenheit bzgl. Kalibers beim Königsvogelschuß entstanden sein. Diese Meinungsverschiedenheit muss wohl in einer Handgreiflich ausgeartet sein, denn in der Ausgaberechnung des gleichen Jahres befindet sich ein Eintrag von 27 Sgr. für Strafe mit vorgenannter Motivierung. Aus diesem Grund unterzeichneten der damalige gesamte Schützen-Vorstand: Joh. Matth. Lexius, M.Olbertz, H.J. Kuckelkorn, Meisen, Joh. Jos. Capellmann, Joh. Leonh. Fring, H. J. Olbertz, W.J. Kloubert, C. Kogel, Serv. Emonds, Chr. Meisen, K. Giesen und L. Kaussen am 13. Mai 1847 vor dem neuen Schießen ein Protokoll, das jedem Schützen gebietet, sich ein „regelmäßiges Gewehr zu besorgen, welches nicht mehr als eine zweilöthige Kugel schießen darf“. Ebenso wurde streng verordnet, das Laden der Büchsen nur an einem bestimmten Tisch und zwar mit größter Vorsicht zu besorgen. Gleichfalls wurde der Gesellschaft das Recht eingeräumt, einen neuen Spießnagel in die Vogelstange einzuschlagen, im Falle der Nagel schon vor dem abgeschossenem Vogel durch einen Schuß herausgebracht worden wäre.
Zur damaligen Zeit dauerte die große Kirmes drei Tage, an welchen die Arbeit ruhte. Die Kosten für die Musik an den beiden Tage trug bei Einnahme des Tellergeldes die Kasse der Gesellschaft, wofür jeder Schütz das recht des Freitanzes bis zum Schluß des Balls erhielt. Um nun den Bestand der Kasse zu erhöhen, hielt die Gesellschaft zur Deckung der Kosten an den beiden ersten Kirmestagen und am Sebastianusfeste (Juli) Tellerkollekten ab. Die Kosten der Musik am dritten Tage wurden oftmals von einem der Schützenbrüder übernommen, der dann das eingenommene Tanzgeld erhielt. Diese Art der Musikvergabe hatte seinen Grund, die Feste endeten oftmals mit Unterbilanz. Der Schützen der dann die Kosten übernahm hatte dann das Risiko auf seiner Seite.
Die gestifteten Preise für den besten Schützen bestanden meistens aus zinnerne Kannen und Teller.
In den Jahren 1847 bis 1850 fand der Vogelschuß in der Wiese des großen Bongard bei Geulen statt. Es wurde auf der hohen Stange geschossen. Der 5. Mai 1857 jedoch brachte der Schützengesellschaft neue, zeitgemäßere , jedoch auf der alten Grundlage aufgestellte Statuten. Die Mitglieder erhielten diese Statuten in gedruckter Form am 6. April 1858. Die Einführung des Pfarrers Joh. Peter Toussaint Jansen wurde unter Beteiligung der Schützengesellschaft am 5. Dezember 1861 gefeiert. Dem Neuen Pfarrer zog man bis Rothe – Erde entgegen. In einer Prozession wurde der hochwürdige Herr zur Pfarrkirche geleitet.
Die Kasse der Gesellschaft muß zu dieser Zeit ziemlich leer gewesen sein, denn der Kirchenrendant schoß der Gesellschaft zur Bezahlung der Musik den Betrag von 85 Thalern vor. Diese Schuld wurde vom Gemeinderat erst 1864 im Gemeindebudget übernommen.
Der 24. August 1863 muß für die Gesellschaft ein ganz besonders glanzvoller Tag gewesen sein. An diesem Tag wurden beim Schützenfest 100 Thaler 5 Sgr. für 601 verkaufte Lose eingenommen. Am 18. September des gleichen Jahres besuchte man das des Instrumantalvereins in Verlautenheide. Dem Instrumentalverein wurde zur Erinnerung an diesem Tag eine Plakette überreicht. Zur Repräsentation nach außen hin wurden am 24. Mai 1863 drei neue Degen mit Koppel, am 19. Juli zwei und am 18. September 1863 des sechste Degen auf Gesellschaftskosten angeschafft. Starb ein Schützenbruder wurde am Schützenhaus eine Fahne mit schwarzem Trauerflor ausgehängt. Jedem Schützenbruder war es eine Pflicht am Begräbnis eines Schützenbruders teilzunehmen. Fehlte ein Schützenbruder, jünger als 60 Jahre, mußte der zur Strafe 2 ½ Sgr. zahlen. 1866 herrschte in Eilendorf die Cholera, 60 Menschen starben an dieser schrecklichen Seuche. Ein Schützenbruder war ebenfalls zu beklagen, Johann Capellmann.
Am zweiten Pfingsttage 1867 feuerte der Bürgermeister von Eilendorf, Johann Christ. Lamb. Aug. Lohausen als aktives Schützenmitglied für seine Majestät König Wilhelm I. den ersten Schuß, und fällte damit den Kopf des Königsvogels. Aus Anlass dieses Ereignisses wurde eine Dekoration gestiftet, bestehend aus einem Kreuz mit fünf Flügeln und fünf Lilien. Das Kreuz enthielt in der Mitte ein Medaillon, auf der Vorderseite war der Preußische Adler abgebildet. Als Widmung war eingraviert: „Für seine Majestät König Wilhelm mit dem ersten Schuß erworben durch den Bürgermeister Lohausen am 2ten Pfingsttage 1867“. Der Bürgermeister bestimmte, daß dieses Kreuz Eigentum der Schützengesellschaft bleiben. Es sollte demjenigen umgehängt werden der als erster des Kopf des Königsvogels abgeschossen hatte.
Beim Besuch seiner Eminenz Kardinal Erzbischof Dr. Paulus Melchers von Köln waren die Schützen zum Ehrendienst abkommandiert.
Vom 1. Januar 1869 ab fand in jedem Monat eine Versammlung statt. Fehlte hier ein Schützenbruder mußte er 1 Sgr. Strafe zahlen.
Am 19. Juli 1870 feierten die Schützen gerade ihr Ehrenvogelschießen, verbunden mit einem Schützenfest, in der Wiese von Johann Joseph Kind in der Meisengasse, als mitten in der Festfreude die Mobilmachung gegen Frankreich publik wurde. Sofort nach dem Bekanntwerden begaben sich die militärdienstpflichtigen Schützen-Mitglieder nach Hause, um die nötigsten Vorkehrungen zu treffen. Von den angemeldeten Schützengesellschaften waren nur 5 erschienen.
Im Jahr 1873 ernannte der Schützenoberst Cornelius Kuckelkorn zu seinem Adjutanten Peter Joseph von Hoegen.
Ebenfalls 1873 wurde eine neue Fahne angeschafft. Diese Fahne ist heute noch vorhanden. Leider wurde später bei einer weiteren Neuanschaffung der hl. Sebastianus aus dieser Fahne heraus getrennt und in der neuen Fahne eingearbeitet.
Wie schon zuvor erwähnt, verabreichte man den Schützen bei festlichen Aufzügen in früheren Jahren meistens nur Wein. Bei einer Generalversammlung am 24. Mai 1874 wurde folgendes beschlossen:“ Der König ist gehalten, mit dem Wirten, wo er einkehrt, das Übereinkommen zu treffen, daß den Mitgliedern der Gesellschaft eine Flasche guten, preiswürdigen Wein zu zwölf Silbergroschen verabreicht wird“.
Bei der Verganderung des Lokals, wo die Schützenversammlungen tagten, erhielt am 29. Juni 1874 Jos. Commer den Zuschlag zum Preis von 16 ½ Thaler pro Jahr und auf die Dauer von fünf Jahren.
Aus Rücksicht auf die 1874 statt gefundenen Heiligtumsfahrt in Aachen und Cornelimünster, verlegte die Gesellschaft ihre Festlichkeiten, die gewöhnlich am St. Sebastianusfest (Juli) stattfanden, auf den 23. Und 24. August 1874.
Am 31. Januar 1875 beschloß man auf einer Versammlung, daß in einem Falle des Ablebens eines Schützenmitgliedes, das nicht in Eilendorf wohnt, unter Vorantragung der Fahne dem Begräbnis beigewohnt würde, wenn mindestens 1 Offizier und 18 Schützenmitglieder einen dies bzgl. Antrag stellten.
Da man es leid war, sich Fackeln zur Fronleichnamsprozession auszuleihen, schaffte die Gesellschaft am 15. Mai 1875 zweihundert neue Fackeln an. Am 14. Mai 1875 kauften die Schützen vom Aachener Hütten Verein in Rothe Erde, 9 Boller zu ihrem Gebrauch bei Festen. Das hierzu benötigte Pulver wurde von der Gesellschaft gstellt. In diesem Jahr feierte der langjährige Kommandeur und Kassenführer Matth. Jos. Lexius sein 50jähriges Jubelfest als Mitglied der Schützengesellschaft. Er war seit 1821 Mitglied, seit 1826 Adjutant und seit 1840 Kommandeur und Kassenführer.
Bei der Frohleichnamsprozession ereignete sich durch einen Schützen ein beträchtlicher Zwischenfall, wobei die Schützen Franz Kremer und Peter Kaussen derart verletzt wurden, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Der unglückliche Schütze hatte sich beim Schießen kleiner Bleistücke bedient, eine Ordnungswidrigkeit, die das Unglück herbeiführte. Er wurde für die der Gesellschaft entstandenen Kosten verantwortlich gemacht. Da dieser Schütze der Forderung nicht nachkam, beschloß die Gesellschaft am 20. Februar 1876 den betreffenden Schützen aus der Gilde auszuschließen.
Ein Jahr später fehlte ein Mitglied bei der Fronleichnamsprozession, er hatte sich einem anderen Verein angeschlossen, außerdem fielen zwei andere Schützenmitglieder wegen Trunkenheit auf. Gemäß § 33 der Statuten von 1857 wurden diese am 2. Juli 1876 der zur Prüfung und Aburteilung, derartiger Fälle eingesetzter Kommission übergeben. Dieselbe fällte am 12. Februar 1877 das Urteil dahingehend, das aktive Mitglied aus der Gesellschaft auszustoßen, weil es der Aufforderung , an der Prozession teilzunehmen, nicht nachgekommen war.
Die beiden inaktiven Mitglieder wurden wegen Trunkenheit in Dienst für unfähig erklärt, sich für das Jahr 1877 an den öffentlichen Aufzügen am Pfingstmontag und am Sebastianusfest zu beteiligen. Am 8. Juli 1877 besuchte die Gesellschaft das Brander Schützenfest.
Vom 2. Juli 1878 an fand das Abholen des Schützenkönigs an seiner Wohnung nicht mehr zu jedem Aufzug statt, sondern man änderte dies dahin ab, daß der König sich außer am Pfingstmontag und am Sebastianustag (Juli) bei allen anderen Festaufzügen im Schützenhause einfinden soll. Am 2. Februar 1879 beschloß man, wenn ein Mitglied der Sterbekasse, zweimal das Sterbegeld nicht bezahlt hat, seine Familie im Falle des Ablebens das Sterbegeld nicht erhalten soll. Der Vorstand der Sterbekasse, bestehend aus 7 Schützen, war 1884 befugt, notdürftigen kranken Mitgliedern eine einmalige Unterstützung bis zu 10 Mark angedeihen zu lassen.
Am Abend des 3. September 1880 veranstaltete die Schützengesellschaft zu Ehren des 25jährigen Priester-Jubiläums des Eilendorfer Pfarrers Theodor Stapper, vom Oberdorf bis zum Pastorat einen Fackelzug. An diesem Zug waren die Eilendorfer Ortsvereine mitbeteiligt.
Auch der 20. August 1884 stand im Zeichen eines Priester-Jubiläums. Diesmal galt es dem Eilendorfer Vikar Anton Bruns. Auch zu Ehren des Vikar wurde ein Fackelzug veranstaltet. Von Seiten der Gesellschaft wurde dem Jubilar ein Sofa als Ehrengabe überreichte.
Auf einer Ausstellung für Kirchliche Kunst in Düsseldorf, kaufte die Gesellschaft vier kupferne Traglaternen zu einem Betrag von 75 Thaler und machte diese Laternen der Kirche zum Geschenk.
Am 20. Und 21. Juli 1884 beging die Schützen-Gesellschaft das festiher 200jährigen Jubelfeier, gegenüber dem Schützenhofe Matth. Josef. Kaussen auf der Wiese von Cornelius Kuckelkorn. Der Grund zu dieser 200 Jahrfeier lag wohl in der Annahme, daß die Gesellschaft bereits im Jahre 1687 bestanden hatte. Dies ist wohl auf das Königsschild aus dem Jahre 1687 zurückzuführen.
Um dem Schriftführer einen Ansporn zugeben, daß Protokollbuch sorgsam zu führen, beschloß man am 25. Mai 1885 zum ersten mal eine Vergütung von 15 Mark pro Jahr zu zahlen, später erhöhte sich das auf 30 Mark.
Eine seltene Ehre erfuhr die St.Sebastianus Schützen-Gesellschaft am 3. Juli 1885. An diesem Tag, dem Gedenktag der Schlacht bei Königgrätz, statte der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, den nahen industriellen Anlagen des Aachener Hütten-Aktien Vereins zu Rothe Erde einen Besuch ab. Die Schützengesellschaft stellte sich in Rothe Erde zur Parade auf. Mit einer Musikkapelle und einem donnernden Hurra begrüßten die Schützen den Kronprinzen. Die mit dem eisernen Kreuz dekorierten Schützenmitglieder Joh. Jos. Kind und Wilhelm Vinken hatten die Ehre, vor dem Portal des Aachener Hütten-Aktien Vereins Posten stehen zu dürfen.
Am 23. Mai 1886 wurde zum ersten Mal ein Schütze gewählt, Peter Joseph Leuchter, der zur „Hilfeleistung bzw. Versorgung bei evtl vorkommenden maladien während den Marschübungen“. Als Feldscher bestimmt.
Wiederum hatte die Gesellschaft am 18. Juli 1886 eine 50jährige Jubelfeier zu verzeichnen. Das damalige Mitglied Wilhelm Kloubert I. Ihm wurde vor der Gesellschaft und vielen Zuschauern, sowie in der Gegenwart des Eilendorfer Bürgermeister Bott durch den Obersten Cornelius Kuckelkorn ein goldener Kranz überreicht, weiterhin wurde ihm ein goldenes Kreuz angeheftet.
Am 23. September 1888 verstarb der amtierende König Cornelius Huppertz. Unter zahlreicher Beteiligung der Gesellschaft brachte man seine sterblichen Überreste am 26. September zu Grabe. Ein Schützenoffizier trug die Königskette ausgelegt auf einem schwarzen Samtkissen hinter der Bahre. Zum Andenken an den Schützenkönig, trug man das Königssilber bei Aufzügen in einem Trauerflor eingehüllt. Erst bei der Proklamation des neuen Königs 1889 wurde der Schützenvogel wieder enthüllt.
Der 5. August 1888 war wohl bis da der denkwürdigste Tag der Schützengesellschaft. Das Fest galt dem verdienten Schützenobersten Cornelius Kuckelkorn. Er fierte im Juli dieses Jahres sein 25jähriges Jubiläum als Oberst der Gesellschaft. Er war seit seinem 16. Lebensjahr Mitglied der Schützengesellschaft. An diesem Festtage überreicht der Bürgermeister Peter Bott dem Jubilar eine von der Gesellschaft gestifteten Verdienstorden.
Die Ehrengabe der Gesellschaft bestand in einem eingerahmten Bild, worauf nachstehender Spruch verzeichnet war.:
Wem gilt das selt´ne Fest in dieser frohen Stunde?
Es gilt Herrn Kuckelkorn, dem Jubilar,
Der fünf und zwanzig Jahre Oberst unserem Bunde,
Den St. Sebastianus Schützen war.
O blickt zurück heut´auf sein Leben,
Was er als Schütz´, als Bürger er getan;
Der Menschenliebe galt sein schaffen, Wirken, Streben
Und nur das Edle zeichnet seine Bahn.
Er war als Führer uns ein fester, starker Degen,
Durch seinen Mut erhob sich der Verein,
Drum gingen wir mit ihm der Zukunft kühn entgegen
Und jeder nennt mit stolz den Oberst sein.
Als achtzehnhundert siebzig, gleich den gier,gen Raben,
Der Erbfeind krächzte nach dem schönen Rhein,
Schickt´unsern braven Söhnen er der Liebe Gaben,
Das sie mit Kraft dem Siegeskampf sich wäh´n.
Dein Jubeltag, verehrter Oberst, weckt Entzücken,
In jedes Schützen treuergeb´ner Brust,
Drum strahlt der Freudenruf: „Heil Dir!“ aus allen Blicken,
Und uns´re Freude wird zur Wonn´und Lust.
Es wolle Gottes Huld Dein fern´res Leben leiten,
Das deine Hand noch viel des Guten schafft,
Ja, Segen, Glück und Heil Dir bis zu fernsten Zeiten!
Gesundheit, Frohsin, ungeschwächte Kraft!
Das die Eilendorfer Pfarrer auch nach ihrem Scheiden von Eilendorf des Schützengesellschaft in Treu gedachten, zeigt folgende Tatsache. Der seit dem 30. März 1866 in Eilendorf amtierende Pfarrer und Dechant Theodor Stapper wurde am 6. Januar 1889 nach einer segensreichen Amtszeit von fast 23 Jahren als Oberpfarrer nach St. Michael in Burtscheid versetzt. Am 30. Oktober wurde er auf seinem ausdrücklichsten Wunsch hin als inaktives Mitglied in die hiesige Gesellschaft aufgenommen. Hier wurde er sofort von der Gesellschaft zum Ehrenmitglied ernannt.



